«Nominiert zur «Werberin des Jahres»: Andrea Bison, thjnk Zürich.»


15.09.2020 – Mit Tempo und Leidenschaft zeigt die thjnk-Agenturinhaberin, wie viel Spass eine Karriere als Werberin machen kann. Zudem setzt sie für den Schutz der eigenen Mitarbeitenden klare Grenzen.

Im Jahr 2016 kam Andrea Bison mit ihrer Familie in die Schweiz, um thjnk Zürich mitzugründen. Nur vier Jahre später zählt die Agentur zahlreiche renommierte Etats und belegt im aktuellen Kreativranking den zweiten Platz. Aus dem Nichts eine Agentur aufzubauen, die mitmischt, das ist Grund genug für die «Werber des Jahres»-Jury, die deutschschweizerische Berater-Koryphäe Andrea Bison als «Werberin des Jahres 2020» zu nominieren.

Gestartet sind Andrea Bison und ihr Agenturpartner Alexander Jaggy mit einer Vision, die im Business-Plan verankert wurde: «Wir wollten einen Ort schaffen, an dem die Menschen gerne arbeiten.» Im Zürcher Kreis 4 ist den beiden das gelungen. 15 fest angestellte Mitarbeitende – manchmal kommen noch Freelancer dazu – arbeiten hier gemeinsam an drei langen Tischen in einem lichtdurchfluteten Loft mit Industriecharme. Türen haben nur die zwei gläsernen Konferenzräume. Kurze Wege sowie ehrliche und offene Kommunikation werden grossgeschrieben. Neben Momenten der Konzentration, wird auch immer wieder herzlich gelacht und sich ausgetauscht. Andrea Bison sagt: «Ich liebe dieses Tempo, das wir haben.» Mit ihrem Team arbeitet sie auf Augenhöhe und partnerschaftlich zusammen – und wünscht sich einen entsprechend respektvollen Umgang auch von Kundenseite. Dazu gehört mitunter, dass die freien Tage über den Jahreswechsel auf keinen Fall mit Projektarbeiten belegt werden, auch wenn Kunden dies fordern. Die «thjnkler» schätzen das. «Sie wissen, dass es hier eine Art Schutzwall gibt, der nicht überschritten wird.»

Beraterin mit Herzblut

Kommt eine Projektanfrage ins Haus, setzt sich das mittlerweile dreiköpfige Führungsteam zusammen und bespricht das weitere Vorgehen. Die drei Werber – neben Andrea Bison der Kreative Alexander Jaggy und der Stratege Gordon Nemitz – bringen somit von Anfang an ihren Bereich mit in die Planung. Andrea Bison ist für die Beratung zuständig. Sie betreute in ihrer Laufbahn schon zahlreiche Kunden, kleine wie auch grosse internationale. «Ich habe die Fähigkeit, mich in Kunden hineinzuversetzen», sagt sie. In ihrer Verantwortung liegt es, dass die Projekte kapazitätsmässig und finanziell funktionieren. Andrea Bison versprüht Begeisterung, wenn sie von ihrem Beruf erzählt. Die Werberin und Mutter möchte dem Werbenachwuchs, insbesondere auch Frauen, zeigen, mit wie viel Leidenschaft und Enthusiasmus man sich lange Jahre in der Kommunikationsbranche entfalten kann. «Ich sehe meine Arbeitszeit heute viel mehr als Lebenszeit», sagt die Wahlzürcherin. «Ich gebe mein Bestes, damit diese Lebenszeit, die wir als Agentur zusammen verbringen, möglichst gut für alle ist.»

Kampagnen thjnk Zürich

Ochsner Sport
Mit der Kommunikationsplattform «Die Schweiz ist unser Sportplatz» hat thjnk einen Gedanken geschaffen, der die Marke nicht nur kommunikativ verändert hat, sondern Ochsner Sport auf sämtlichen Ebenen in einen Wandlungsprozess geführt hat. Von der Kampagne bis zum Kundenmagazin, vom Logo bis zum Laden-Design, vom POS-Steller bis zur Promotion.

Edelweiss
Mit «Been there. Done that» hat die Agentur die Airline aus dem Schatten der grossen Schwester Swiss herausgeführt und ihr ein klares, differenzierendes und für die Ferienreisenden aspiratives Image gegeben. Neben der populären Kampagne lancierte thjnk immer wieder innovative Ideen, die dazu beigetragen haben, dass sich die Marke in den Herzen und Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer etablierte.

 

Credit Suisse
Die Kampagne «Warum nicht?» fokussiert sich auf die Unternehmerinnen und Unternehmer und spricht ihnen aus der Seele, ganz ohne leere Werbeversprechen. Mit Erfolg: Noch nie hat eine Kommunikation der Grossbank so viel Aufmerksamkeit und auch Business generiert.

 

7 Fragen an Andrea Bison

Werbewoche: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Nomination zum «Werber des Jahres» erfuhren?

Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet und mich riesig gefreut. Ich war ehrlich gesagt überrascht, weil sich die Agentur fast noch nach Start-up anfühlt. Es macht mich stolz, dass unsere Arbeit nach so kurzer Zeit in der Branche und im Markt eine solche Wertschätzung erfährt.

Was würden Sie als «Werberin des Jahres» bewirken wollen?
Ich hoffe, ein Vorbild dafür zu sein, dass Frauen auch als Mütter ihren Platz in der Branche finden können. Und damit tolle Talente in die Branche holen, dort halten und sie inspirieren ihren Weg zu gehen – wenn sie wollen, auch nach oben. Zum anderen möchte ich Lust auf Werbung machen. Und zwar nicht nur mit der Werbung selber, sondern auch mit dem Bild der Agentur als Ort des kreativen Schaffens. Einem Ort, an dem kluge und kreative Köpfe aufeinander treffen, gerne miteinander arbeiten und Raum für Entwicklung und Entfaltung finden. Dazu gehört auch, dass ich die Rolle der Agentur als Partner und nicht als Dienstleister stärken will. Denn Augenhöhe muss auch fachliche Erfahrung und Meinung erlauben, um letztendlich das beste Resultat zu schaffen.

Was bedeutet Werbung für Sie?
Ob Sie’s glauben oder nicht – ich habe bereits als Teenager mein Jugendzimmer nicht mit Postern von Popstars dekoriert, sondern mit Werbesujets von Chanel, Vogue und Benetton. Und Werbeblocks aufgezeichnet, um mir die Spots immer wieder anschauen zu können. Ein Highlight damals: «First time, first love» von Coca Cola. Bis heute hat mich die Leidenschaft nicht verlassen.

Wo sehen Sie die grössten aktuellen Herausforderungen der Werbe- und Kommunikationsbranche?
Die Mehr-für-weniger-und alles-in-kürzerer-Zeit-Kultur macht mir zu schaffen. Und der damit verbundene gefühlte und vielleicht auch tatsächliche – Wertverlust unserer kreativen Arbeit. Die starke Diversifikation der Kommunikation durch die Vielzahl an digitalen Medien und Kanälen sowie die technischen Möglichkeiten haben nicht nur zu höherer Komplexität geführt, sondern auch zu einer Marginalisierung. Die wachsende Zahl an möglichen Touchpoints hat bewirkt, dass jedem einzelnen immer weniger Sorgfalt zuteil wird und damit der Eindruck entsteht, dass ein durchschnittlicher oder sogar unterdurchschnittlicher Aufwand jeweils ausreicht. Budgets müssen auf immer mehr Massnahmen verteilt werden, so dass zunehmend nicht nur schneller, sondern auch günstiger umgesetzt werden muss – zuletzt nochmal befeuert durch Corona. Wenn als Folge die Wertschätzung für Kreativität und Ideen fehlt und die Arbeit nicht mehr auf Augenhöhe stattfindet, dann laufen wir Gefahr, wertvolle Talente für unsere Branche zu verlieren. Denn nicht nur für Gen Y und Z passt das nicht in ihr Bild von einem Job, der Sinn machen soll im Leben. Ein weiteres Spannungsfeld entsteht durch die neuen Möglichkeiten, die sich aus der ständig steigenden Flut von Daten ergeben. Sie werden unsere Arbeit nachhaltig verändern. Neben den ethischen Fragen, auf die wir Antworten finden müssen, werden wir als Branche noch mehr als je zuvor immer wieder Beweise dafür bringen müssen, dass Kreativität durch Daten nicht ersetzt werden kann. Was das für die tägliche Arbeit bedeutet, hat Gary Vaynerchuk einmal sinngemäss mit der Aufgabe beschrieben, «Team Heart» und «Team Brain» immer wieder zum gemeinsamen Arbeiten zu ermutigen.

Worin sind Sie besonders gut – und wobei lassen Sie Ihrem Team den Vortritt?
Mir fällt es schwer, mich selbst zu beschreiben. Meine Partner und Mitarbeitenden sehen in mir eine Mischung aus Spürnase und Mediator mit einem guten Gefühl für Menschen, Ideen und Situationen. Sie beschreiben mich als die Diplomatin und gut für Verhandlungen. Und jemanden, der auch im hektischen Agenturalltag Ruhe bewahren und den Überblick behalten kann. Zu meinem Team habe ich vollstes Vertrauen, und daher lass ich sie alles machen. Dabei stehe ich ihnen natürlich unterstützend zur Seite, wenn sie mich brauchen. Mein Ziel ist es, andere zu befähigen und weiterzubringen. Persönlich ist es mir vor allem wichtig, immer wieder Grund zum Lachen zu haben und alles nicht zu ernst zu nehmen. Dabei helfen mir Humor, eine gewisse Angstfreiheit sowie Erfahrungen und Schicksale im Leben, die mir gezeigt haben, was wirklich wichtig ist, um die Dinge besser einordnen zu können. Deshalb hinterfrage ich auch gerne – nicht immer zur Freude der anderen.

Was waren Ihre beruflichen Highlights seit dem Frühjahr 2019?
Nach nur drei Jahren freue ich mich über das kreative Ergebnis der Agentur mit Platz 1 als beste Schweizer Agentur bei den Cannes Lions 2019 und Platz 2 im Werbewoche-Kreativranking. Dabei macht mich besonders das ADC-Gold in der Königsdisziplin Film für den Pro-Infirmis-Film «Alle sind gleich. Niemand ist gleicher» stolz – eine besondere Arbeit, die unter die Haut ging und für mich grösser ist als Werbung. Auch international konnten wir punkten mit Gold und Silber bei der One Show in New York. Es mag vielleicht überraschen, aber ein Highlight habe ich auch in der Corona-Zeit erlebt: Teamwork at its best.

Wer oder was hat Sie beruflich besonders geprägt?
Als Wahlschweizerin lebe ich nun seit vier Jahren in Zürich und finde es sehr spannend, die Schweiz nun auch beruflich als Markt kennen zu lernen. Dabei prägt mich die tägliche Zusammenarbeit mit meinen Partnern Alexander Jaggy und Gordon Nemitz. Zum Start meiner Arbeit in Kreativagenturen hat mich der unermüdliche und grenzenlose persönliche Einsatz für das bessere Ergebnis von Jean-Remy von Matt beeindruckt und bei mir das «Geht nicht, gibt´s nicht»-Prinzip verankert. Gepaart mit den schlauen, klaren und entwaffnenden Gedanken von Holger Jung waren die beiden ein unschlagbares Duo, das mich bis heute beeindruckt. Bei Springer & Jacoby waren es die unverwechselbare, starke und gelebte Kultur und die bis heute genialen Leitsätze und Führungsprinzipien, die meine Denkweise, Haltung und Arbeitsweise geprägt haben. Die Fähigkeit, sich zu fokussieren und Energie freizusetzen, habe ich am eindrücklichsten bei André Kemper erlebt. Er hat meinen Sinn für Ideen geschärft und mir gezeigt, welche Kraft Emotionen haben – in der Werbung und in der Arbeit daran. Das Networking und verbinden von Menschen miteinander und die Begeisterungsfähigkeit für Ideen und neue Lösungen hat Michael Trautmann verkörpert und mir als Kraft vermittelt. Das dynamische Wachstum von kempertrautmann mitzuerleben und mitzugestalten, das noch Start-up war als ich dazu kam, haben Flexibilität und Verantwortung gefordert und Mut sowie den Blick für das grosse Ganze gefördert. Insgesamt zwölf Jahre Autowerbung für die drei grossen Premiummarken BMW, Mercedes und Audi haben nicht nur mein Fahrverhalten und meine Leidenschaft für Autos geprägt, sondern auch das Arbeiten mit sehr hohem Anspruch und Anforderungen von allen Seiten hart trainiert. Neben der Gesamtverantwortung des Kunden Audi gemeinsam mit meinem langjährigen Partner Gerrit Zinke bei thjnk gehört der Aufbau von Leo´s thjnk Tank zu einer der herausforderndsten Stationen. Während des Pitches als Plan entwickelt, haben wir nach Etat-Gewinn für den Kunden McDonald's von null auf eine Custommade-Agentur in München aufgebaut, als Joint Venture mit Leo Burnett, vom Corporate Design über Prozesse, die Kultur bis zu den Teams, und das in keiner Zeit und parallel zur Kreation der ersten Kampagne.

Die Beraterin Andrea Bison gründete zusammen mit dem Kreativen Alexander Jaggy die inhabergeführte Schweizer Agentur der Gruppe thjnk. Die 46-Jährige ist bereits ihr ganzes Berufsleben lang in der Werbebranche tätig. Schon als Kind sammelte sie Werbeinserate und nahm TV-Spots auf Video auf. Sie studierte BWL mit Schwerpunkt Werbung und Kommunikation, absolvierte Praktika in München und Frankfurt und war als Beraterin in namhaften Agenturen in Hamburg tätig. Heute lebt die in Kassel aufgewachsene Deutschschweizerin im Zürcher Kreis 8 zusammen mit ihrem Mann, ihren zwei Söhnen im Alter von 5 und 7 Jahren sowie im Herzen mit ihrer verstorbenen Tochter.

Text: Ann-Kathrin Kübler

zurück zur Übersicht