«Die Agentur soll ein Ort der Kreativität sein»

31.05.2021 – Zum fünfjährigen Bestehen: Geschäftsführerin Andrea Bison über die neue Einheit «thjnk 24/7» und Fragen, die sich über Kreativität lösen lassen.

Frau Bison, was schenkt sich die Agentur zum Geburtstag?
Wir sind zwar jetzt seit fünf Jahren erfolgreich unterwegs, aber noch inmitten unserer Entwicklung. Darum schenken wir uns einen Blick in die Zukunft und stellen unsere Agentur pünktlich zu unserem Geburtstag noch innovativer und spannender auf. Als Geschenk für uns und unsere Kunden.

Unter den Geschenken ist offenbar auch ein neues Selbstverständnis – so schreiben Sie es in einer Mitteilung. «Kreativität kann jede Frage beantworten.» Das ist in dieser Absolutheit mutig. Wie kamen Sie darauf?
Ganz so neu ist dieses Selbstverständnis nicht. Der Gedanke ist in der DNA der Agentur. Er hat uns seit unserer Gründung schon immer begleitet und ist unsere inhaltliche Triebfeder auf all unseren Kunden. Wir haben es jetzt einfach noch klar und unmissverständlich formuliert. Und ja, es ist ein grosser Anspruch. Aber an diesem messen wir uns in unserer Arbeit immer wieder aufs Neue.

Dann stelle ich Ihnen gerne später in diesem Interview zusätzliche Fragen dazu. Zuerst zu thjnk 24/7: Was für einen Zweck hat die neue Einheit?
Die neue Einheit erhebt den Anspruch, kreative Ideen nicht nur zielgerichtet zu konzipieren, sondern diese auch über alle kommunikativen Ebenen dynamisch auszusteuern und so individuell erlebbar zu machen. Die meisten Ansätze im Bereich von Dynamic-Creative-Lösungen sind eher aus medialer Perspektive gedacht und dadurch oft vielmehr ein Killer als ein Katalysator für kreative Ideen. Darunter leiden häufig die Markenwirkung und die kreative Exzellenz. Mit «thjnk 24/7» gehen wir den zukunftsweisenden Schritt, durch massgeschneiderte Creative-Management-Lösungen Werbemittel komplett format-neutral und dynamisiert zu erstellen.

Warum?
Das ermöglicht uns auf der einen Seite eine starke Skalierfähigkeit und auf der anderen Seite absolute Relevanz für den Endkonsumenten, da wir ihnen stets individuell die richtige Botschaft im richtigen Moment am richtigen Ort zur Verfügung stellen. Wir stellen damit die reale Verknüpfung von Kreation mit Data, Technologie und Media sicher.

«Es geht heute nicht mehr um lineare Touchpoint-Ketten, sondern um kommunikative Micro-Moments»

Wie viele Personen arbeiten dafür?
Neben Claudia Ziltener als Leiterin des Bereichs und mir sind Strategie, Kreation und Beratung für die jeweiligen Kunden beteiligt, weil wir komplett integriert arbeiten.

Und wie viele Mitarbeitenden umfasst die ganze thjnk Zürich? Beim Start 2016 waren es ja noch vier.
2021 sind wir 21 Mitarbeitende – passend zur Jahreszahl.

Zu Claudia Ziltener: Was genau ist die Expertise eines «Customer Experience Directors»?
Es geht heute nicht mehr um lineare Touchpoint-Ketten, sondern um kommunikative Micro-Moments. Um wirkliche Relevanz entlang der Journey zu schaffen und jeder Nutzerin und jedem Nutzer zu jeder Zeit mit dem richtigen emotionalen oder rationalen Trigger zu begegnen, werden wir mithilfe von Claudia die Sichtweise auf die individuellen Journeys der Kunden unserer Kunden noch stärker ins Zentrum unserer Arbeit stellen.

Wie wird «thjnk 24/7 Zürich» mit «thjnk 24/7» in Hamburg zusammenarbeiten?
Im Team von «thjnk 24/7» in Hamburg arbeiten aktuell sechs Spezialisten aus den Bereichen Digitalproduktion, Front- und Backend-Entwicklung, UX Design, Data Strategy sowie Digital Marketing Consulting. Mit ihnen gemeinsam konzipieren wir massgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden und setzen diese auch gemeinsam um. Von unserer Seite kommt die kreative Konzeption, die wir mit dem Know-how des Teams in Hamburg auf die Strasse bringen.

Soweit ich weiss, kamen Sie für thjnk Zürich in die Schweiz – vorher arbeiteten Sie in Deutschland. Was ist hier besser als erwartet?
Bevor ich mich auf das Abenteuer Agenturgründung eingelassen habe, habe ich mich gemeinsam mit Alexander Jaggy intensiv mit dem Markt, den Kunden und der Agenturlandschaft auseinandergesetzt. Mit ihm als Partner war ich gewappnet und zuversichtlich für unser Vorhaben. Erwartung und Realität haben sich glücklicherweise sehr getroffen. In Sachen Lebensqualität schlägt mein Herz als Mutter und Wahlschweizerin jeden Tag höher.

Und was vermissen Sie?
Enge Freunde, langjährige Kollegen und wichtige Wegbegleiter. Das kann auch die neue Video-Call-Kultur nicht ersetzen.

«Wir haben nach Start der Pandemie kurz innegehalten und im sehr kleinen Rahmen in Bereichen gekürzt, in deren Ausbau wir vor der Pandemie investiert hatten»

Mit Blick auf die fünf Jahre thjnk Zürich: Welches war das schwierigste Jahr?
Das Corona-Jahr 2020. Das Unvorhersehbare und damit Unplanbare hat das unternehmerische Führen zu einer echten Herausforderung gemacht. Zum Glück haben wir rückblickend betrachtet richtige Entscheidungen getroffen und sind gestärkt ins neue Jahr gestartet.

Durch die Pandemie dürfte einiges an Business weggefallen sein, gerade Edelweiss zum Beispiel. Wie lange konnten Sie für diesen Kunden keine Projekte mehr machen?
Wirklich betroffen war nur Edelweiss. Wir haben in der Zwischenzeit strategisch beraten und die Zeit genutzt, um die neue Kommunikationsplattform zu entwickeln, die voraussichtlich im Juni zur Euro starten wird.

Mussten Sie Mitarbeitende entlassen?
Wir haben nach Start der Pandemie kurz innegehalten und im sehr kleinen Rahmen in Bereichen gekürzt, in deren Ausbau wir vor der Pandemie investiert hatten. Zum Glück konnten wir hier inzwischen wieder anknüpfen.

Wie war die Agentur von den coronabedingten Einschränkungen betroffen?
Auch wir haben seit März 2020 bis auf wenige Phasen lange Strecken remote gearbeitet. Uns fehlt inzwischen allen die gemeinsame Energie vor Ort und unsere Kundentermine in physischer Form. Das Tempo und die zwischenmenschliche Ebene kriegt man einfach 100-Prozent-remote nicht auf das gleiche Level.

«Langeweile auf dem Skateplatz gelöst, indem ich jetzt selber Scooter fahre»

Was waren aus kreativer Sicht die wichtigsten Arbeiten in den fünf Jahren?
Wenn ich hier nur einige Arbeiten hervorheben kann, dann zum Beispiel aus Markensicht die Entwicklung der Marke Edelweiss mithilfe der Plattform «…Been there. Done that.» sowie die Neu-Positionierung und das Rebranding von Ochsner Sport mit «Die Schweiz ist unser Sportplatz». Aus Strategie- und Kampagnen-Perspektive die Unternehmer-Kampagne für Credit Suisse «Warum nicht» und aus innovativer Sicht Edelweiss' «Catch a Flight» sowie die «Runtime»-App für Ochsner Sport. In Sachen Spassfaktor das Ochsner-Sport-Social-Media «Name Game» sowie das Bio Suisse «Hof-Office». Und durch die Film-Brille zählt Pro Infirmis' «Alle sind gleich. Niemand ist gleicher.» zu den Arbeiten, die mich am meisten berühren.

thjnk ist Teil des WWP-Networks. Wie wird sich WPP entwickeln in den nächsten drei Jahren?
Als unabhängige Agentur in der Schweiz nutzen wir die Kompetenzen und Kraft der thjnk-Gruppe, wo es sinnvoll ist, und können für internationale Mandate und Aufgaben bei Bedarf auf die Kompetenzen und Partner im WPP-Netzwerk zurückgreifen.

Und nun also zu «allen Fragen, die durch Kreativität beantwortet werden können». Was war ein besonders kniffliges Problem, das Sie so lösen könnten?
Die Credit Suisse Kampagne für KMU: Weg von der Fehleinschätzung der Bank als Partner auf Augenhöhe hin zu einer Hommage an Unternehmer und bewusst das Unternehmertum auf eine Art und Weise feiern, welche die traditionelle Bank auch intern durchgerüttelt hat – zum Beispiel mit einem Hanfblatt und der Haltung «Warum nicht?».

Und was für ein persönliches Problem konnten Sie über Kreativität lösen?
Langeweile auf dem Skateplatz gelöst, indem ich jetzt selber Scooter fahre.

Mit Blick in die Zukunft: Was ist Ihre Vision für die nächsten fünf Jahre thjnk Zürich?
thjnk soll ein Ort der Kreativität sein. Ein wandelbarer Ort, der die unterschiedlichsten Menschen einlädt, gemeinsam und mit Spass an Problemen zu arbeiten, sich Fragen zu stellen und diese mit der Kraft der Kreativität zu lösen.

 

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